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Prof.Dr. Hartmut Berghoff ist Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Göttingen und Autor des Buchs „Moderne Unternehmensgeschichte“ (2004).
Mittelstand: Abschied von gestern
Impuls: Als mittelständisch gelten Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und nicht mehr als 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Was ist für Sie typisch mittelständisch?

Berghoff:
Der klassische Mittelstand lässt sich nicht allein quantitativ definieren. Er ist durch verschiedene betriebliche und soziokulturelle Merkmale geprägt. Zum Beispiel dadurch, dass Kapitalmehrheit und Firmenleitung in einer Hand liegen. Außerdem wird das Unternehmen häufig von Generation zu Generation weitervererbt. Damit gehen oft ein patriarchalischer Führungsstil und eine enge emotionale Bindung an die Firma einher. Doch seit den siebziger Jahren vollzieht sich ein fundamentaler Umbruch, der den Abschied vom klassischen Mittelstand einläutet.

Impuls: Woran lässt sich dieser Umbruch festmachen?

Berghoff: Der Generationswechsel funktioniert nicht mehr so reibungslos wie früher. Die Erben mittelständischer Unternehmen betrachten es immer seltener als selbstverständlich, sich lebenslang dem elterlichen Geschäft zu widmen. Darüber hinaus hat sich durch die Globalisierung der Wettbewerbsdruck erhöht.  Insbesondere in wissensintensiven Bereichen wie der IT-Branche werden die Lebenszyklen für einzelne Produkte immer kürzer. Deshalb muss sich ein Mittelständler heutzutage mehr anstrengen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Impuls: Ergeben sich für den Mittelstand auch Chancen durch den Strukturwandel?

Berghoff: Führt ein familienfremder Manager das Unternehmen, dann ist es leichter, „traditionelle Hürden“ zu überwinden. Die Chance besteht darin, dass sich mittelständische Unternehmen in stärkerem Maße öffnen – und zwar sowohl für externe Kompetenzen als auch für externes Kapital. Der Markt für Risikokapital ist in Deutschland allerdings noch unterentwickelt. Dieses Venture Capital ist eine gute Möglichkeit, unternehmerische Entwicklungen zu befördern. Insbesondere, da es durch Basel II für Banken schwieriger wird, mittelständische Unternehmen mit Krediten zu versorgen.

Impuls: Muss sich der Mittelstand spezialisieren, um mit Großunternehmen konkurrieren zu können?

Berghoff:
Es ist sicherlich eine Stärke des Mittelstands, dass er Nischenpositionen zu besetzen vermag. So kann er seine Flexibilität besonders gut ausspielen. Sobald andere Unternehmen in die Nische vordringen, wird es jedoch gefährlich. Das haben wir bereits in den siebziger Jahren in der Kamera- und Uhrenfertigung erlebt: Die meisten deutschen Mittelständler dieser Branchen verschwanden vom Markt, da sie die Digitalisierung nicht früh genug betrieben haben.

Impuls: Über 99 Prozent aller Unternehmen sind mittelständisch. Woran liegt es, dass ein Großteil der Innovationen trotzdem in Großkonzernen entsteht?

Berghoff: Wählt man die Statistiken der Patentämter als Kriterium für die Innovationsfähigkeit, so mag das stimmen. Der Mittelstand ist jedoch keineswegs weniger, sondern anders innovativ. Großunternehmen melden oftmals sehr viel mehr Patente an, als sie später verwerten. Kleine und mittlere Firmen liegen hingegen bei der Umsetzung marktfähiger Produkte weit vorne. Sie arbeiten sehr anwendungsbezogen, während große Unternehmen eher Grundlagenforschung betreiben.

Impuls: Die Initiative „Partner für Innovation“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Innovationskraft in KMU zu stärken. Wie kann der Mittelstand auch in Zukunft erfolgreich und innovativ bleiben?

Berghoff: Letztlich können Initiativen oder Wissenschaftler nur Impulse und Anregungen geben, ihre Innovationskraft müssen die Unternehmen selbst stärken. Aber es gibt natürlich Probleme, wie etwa den Mangel an Kapital und den Zugang zu Forschungsinstitutionen und Fördermitteln. Hier müssen die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden, damit KMU Innovationen finanzieren und entwickeln können. Zur Sicherung seiner Zukunftsfähigkeit hat der Mittelstand den Spagat zu vollbringen, alte Stärken wie Kontinuität und Stabilität zu bewahren und zugleich flexibler und kurzfristiger zu handeln.

Innovationsplattform der Initiative
Es ist wohl kein Zufall, dass „Angst“ eines der wenigen deutschen Wörter ist, das in der englisch Sprache vorkommt. Deutschland ist heute nicht nur das Land der Dichter und Denker, es wird immer mehr zum Land der Untergangspropheten und Angsthasen. Ein Gastbeitrag von Peter Bofinger.
Die betriebliche Arbeits- und Leistungspolitik orientiert sich zunehmend an der globalen Wettbewerbsfähigkeit. Nicht selten schwinden dadurch die Chancen, die individuellen Potenziale einzelner Mitarbeiter optimal zu nutzen.
www.acatech.de www.basf.de www.bdi-online.de www.bertelsmann.de www.thyssenkrupp.de www.bundesregierung.de www.celon.de www.dfki.de www.dgb.de www.telekom.de www.harting.de www.hu-berlin.de www.ibm.de www.lufthansa.de www.rolandberger.com www.schering.de www.siemens.de www.enbw.de http://www.fraunhofer.de/fhg/company/leading-edge_innovations/index.jsp