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Aus der Krise zur Idee
Innovative Köpfe brauchen mehr Handlungsfreiräume. Das fordert der Innovationsforscher Prof. Dr. Bernd Kriegesmann im Gespräch mit Impuls.
impuls: Deutschland hat viele gute Ideen. Doch nicht immer schaffen sie es bis zur Umsetzung. Woran liegt das?
kriegesmann: Die häufig beklagten Probleme der Umsetzung der Idee in neue Produkte müssen wir differenziert betrachten. Geht es darum, ein bereits existierendes Produkt zu verbessern, so sehe ich kaum Probleme. Wo es wirklich hakt, das sind die Innovationssprünge in völlig neue Anwendungsfelder. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig. Zum einen bleiben Innovationsideen häufig in den rigiden Controlling-Instanzen hängen. Zum anderen werden die Schwierigkeiten unterschätzt, die mit Innovationen verbunden sind: Das beginnt bei übersehenen Barrieren im eigenen Hause, wenn etwa die Fertigungsanlagen nicht mit Produktinnovationen passfähig sind. Oder wenn es die bestehenden Anreizstrukturen den Vertriebsmitarbeitern kaum attraktiv machen, das Altgeschäft zugunsten von Produktinnovationen zurückzustellen. Und es endet beim Kunden, dessen Anwendungsbedingungen häufig nur ausschnittweise bekannt sind.
impuls: Was machen die Deutschen gut in puncto Innovationen?
kriegesmann: Deutschland ist nach wie vor stark im Bereich der Grundlagenforschung. Auch die Ausbildung ist noch gut. Aber wir leben seit Jahren aus der Reserve und setzen unsere Zukunftsfähigkeit aufs Spiel. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich lamentierend auf Umsetzungsprobleme zu begrenzen und dabei den Aufbau von Potenzialen für morgen zu vernachlässigen. Wer jedoch heute nur versucht, bestehende naturwissenschaftlich-technische Erkenntnisse in neue Produkte und Verfahren zu überführen, wird morgen nichts mehr zum Überführen haben.
impuls: Innovationsmanagement steht in vielen Betrieben ganz oben auf der Liste. Sind Innovationen planbar?
kriegesmann: In der Tat steht Innovationsmanagement in vielen Unternehmen – zumindest programmatisch – ganz oben auf der Agenda. Hier zeigt sich wieder, dass Krisenzeiten Innovationszeiten sind. Die Rufe nach Patentrezepten werden lauter. Allerdings müssen wir uns von dem Glauben verabschieden, dass Innovationen über traditionelle Instrumente planbar seien. Was man zweifelsohne tun kann, ist, den Zufall zu provozieren, das heißt, die Bedingungen über ein entsprechendes Innovationsmanagement zu schaffen, damit Innovationen entstehen.
impuls: Was können Firmen denn konkret tun, um ein Klima der Innovation zu schaffen?
kriegesmann: Innovationsprojekte führen nur dann zum Erfolg, wenn „Köpfe“ dahinter stehen. Diese Köpfe brauchen Handlungsfreiräume, aber nicht im Sinne von „Spielwiesen“, sondern sie müssen vom Routinegeschäft entlastet werden, über ein entsprechendes Budget verfügen – und die Geschäftsleitung muss ihnen Rückendeckung geben. Der Erfolg von Innovationsprojekten sollte zudem mit dem Erfolg des Innovators verknüpft werden, ohne jedoch diesen „Innovator“ im Fall des Misserfolges zu bestrafen. Bei aller Innovationseuphorie müssen wir aber immer bedenken, dass das Geld für Innovationen im Routinebereich verdient wird. Die entscheidende Frage lautet somit: Wie gelingt es, neben dem alltäglichen Geschäft dafür zu sorgen, dass Innovationen möglich werden?
impuls: Welche Herausforderungen stellen sich dem „Wissensträger Mensch“ in der Arbeitswelt von morgen?
kriegesmann: Innovationen werden von Menschen gemacht, weshalb das Innovationsmanagement in Unternehmen dabei helfen sollte, ihre Potenziale zu fördern. Das heißt aber nicht, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Schulbank zu setzen. Vielmehr geht es darum, die Kompetenzen der Mitarbeiter in konkreten Projekten zu entwickeln und durch entsprechende Anreize ihre Bereitschaft zu erhöhen, innovativ zu arbeiten. Doch man darf bei der Diskussion um den
„Wissensträger Mensch“ auch nicht den Eindruck erwecken, als wären alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit und in der Lage, jederzeit aktiv zu „innovieren“. Es gibt erfahrungsgemäß zwischen zehn und 15 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aktiv Innovationssprünge vorantreiben.
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